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Leserbriefe

20.01.2011

Fachbeitrag "Regenerativstrom im Ringwall speichern"

BWK 62 (2010) Nr. 12, S. 53-58

Dr.-Ing. Matthias Popp hat richtig erkannt, dass für eine fast hundertprozentige direkte oder indirekte Nutzung der Sonnenenergie ein gigantisches Speicherpotenzial vorhanden sein müsste. Da dieses Speicherpotential auf der Basis von Pumpspeicherkraftwerken aus vielen Gründen in den nächsten Jahrhunderten nicht geschaffen werden kann, begrenzt sich die Nutzung der so genannten regenerativen Energiequellen auf wenige Prozent. Solche Pumpspeicherkraftwerke mit einem Speicherwirkungsgrad von etwa 60 % müssten etwa das 20-fache der Leistungsabgabe an Pumpspeicherleistung haben. Daraus folgt auch, dass die maximal installierte Leistung der Windenergie- und Photovoltaikanlagen etwa 20-mal größer sein müsste als die mittlere Leistung für alle Energieverbraucher! Wer das anzweifelt, der sollte einmal die Energieerträge der regenerativen Anlagen in den zurückliegenden Winterhalbjahren betrachten!

Mit dem Vorschlag des Ringwallspeichers übertrifft der Autor die Fantasie eines Jules Verne erheblich. Man stelle sich vor, von den erforderlichen 32 kleinen Speicheranlagen sollte in Deutschland nur eine einzige mit einem Flächenbedarf (künstlich geschaffenes Mittelgebirge mit einem Ober- und einem Unterbecken) von der Größe des Bundeslandes Bremen errichtet werden. Viele Orte müssten in unserem dichtbesiedelten Deutschland geopfert werden. Ohne auf alle Widrigkeiten, die in Deutschland größeren Baumaßnahmen entgegenstehen, einzugehen, könnte ich mir vorstellen, dass ein solcher Bau in hundert Jahren ausführbar wäre.

Ein großer Teil der Zementproduktion müsste dafür verwandt werden und ein oder mehrere Flüsse müssten über Jahre völlig zum Auffüllen des Unterbeckens umgeleitet werden. Diese letzten Sätze sind nicht wirklich ernst gemeint, da der Vorschlag des Ringwallspeichers derartig unsinnig ist und es etwas in dieser Größenordnung nie geben wird.

In Deutschland werden aus Umweltschutzgründen kaum noch Pumpspeicherwerke gebaut werden. Und wenn, dann sind die Speicherpotentiale viel zu gering. Der einzige Ausweg besteht eventuell in einer Speicherung mit chemischen Verfahren. Denkbar wäre die Umwandlung des Kohlendioxids, das in Kohlekraftwerken abgetrennt werden soll, in gasförmige oder flüssige Kohlenwasserstoffe. Die Infrastruktur für die Weiterleitung und Speicherung gibt es bereits. Es gibt auch die Verbraucher. Selbst wenn der energetische Wirkungsgrad nicht besonders hoch wäre, so könnte dies besser sein, als Anlagen bei Überangebot vom Netz zu trennen!

Der Beitrag von Dr. Popp dürfte bei ausländischen Lesern den Eindruck erwecken, die Deutschen seien nicht mehr in der Lage, ihre Probleme zu bewältigen, und verfielen in Fantastereien. Das macht mich traurig!

Wolfgang John, Dipl.-Ing. (FH) für Strahlungsmeßtechnik-Kerntechnik, Mitarbeit im VDI, AK Energietechnik Dresden




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